Editorial September 2016

Wissen Sie eigentlich, mit wem Sie sprechen? 

Kommt Ihnen das bekannt vor: Sie sind beim Internetshopping oder auf der Webseite eines Software-Herstellers und von (meist) rechts unten poppt ein Chat-Fenster auf. Man möchte mit Ihnen in Kontakt treten um Ihnen bei der Suche zu helfen. Das (!) Gegenüber stellt sich mit Namen und häufig auch Bild vor und ist auch sehr zuvorkommend, aber nach einiger Zeit beschleicht einen das Gefühl, nach Schema F bedient zu werden. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Ihr Gegenüber nicht ein Mensch aus Fleisch und Blut ist, sondern ein Bot.  

Die Definition von Wikipedia, ein Bot sei „ein Computerprogramm, das weitgehend automatisch sich wiederholende Aufgaben abarbeitet“ reicht meiner Meinung nach nicht aus. Vielmehr sind die aktuellen Bots Dialogprogramme, die ein völlig neues Bedienkonzept für technische Applikationen bieten. Dies wird sich zukünftig nicht auf relativ belangloses Geplänkel mit vordefiniertem Frage-Antwort-Spiel beschränken. Denn abgesehen von Rückschlägen wie Microsofts Twitter-Chatbot Tay (http://www.zeit.de/digital/internet/2016-03/microsoft-tay-chatbot-twitter-rassistisch) entwickeln sich Chatbots zur Zeit mit rasanter Geschwindigkeit. 

Microsofts CEO Satya Nadella hat Ende März 2016 auf der Entwicklerkonferenz mit den Worten "Bots are like new applications that you can converse with“ eine umfassende Entwicklungsumgebung für Chatbots vorgestellt. Zusammen mit der Sprachsoftware Cortana nennt er dies „Conversation as a platform“. Die Übernahme von Wand Labs wird wohl zusätzlich Schub verleihen (http://blogs.microsoft.com/blog/tag/conversation-as-a-platform/#5ZE6eZPy5xOoYRAI.99). 

Google stellte im gleichen Zeitraum mit Allo ein ähnliches Produkt vor; andere sind aber bereits viel weiter: Mit Alexa bietet Amazon zwar kein so offenes Entwicklungssystem wie Microsoft, verdient aber bereits jetzt Geld mit via Alexa durchgeführten Bestellungen. Und nachdem Apple mit der Veröffentlichung von iOS 10 die Schnittstelle zu Siri für Entwickler „etwas“ geöffnet hat, ist hier in Kürze einiges zu erwarten.

Auch auf der reinen Messenger-Ebene ist Google ins Hintertreffen geraten. Neben den Platzhirschen Microsoft mit Skype und Facebook mit Messenger bieten vor allem kleine Anbieter wie Slack (www.slack.com) oder Telegram (www.telegram.org) bereits integrierte Chatbot-Funktionalität.

Welche Auswirkungen hat das nun für unser Thema Business Intelligence?

Im Bereich CRM haben Unternehmen endlich ein Mittel, um mit Kunden in Echtzeit automatisiert zu kommunizieren. Durch die Automatisierung ist die Ansprache beliebig skalierbar.

Aber auch für Analytics sehe ich hier völlig neue Möglichkeiten. Komplex zu implementierende und bedienende Applikationen und Webanwendungen werden obsolet. Es reicht ein „gib mir die Umsatzzahlen der Sparte xy in der Region Süd“ und „wie hoch ist der Forecast“ aus. Man muß sich nicht von einem Monatsabschluß zum anderen merken, wo man hinklicken muß (oder wo besser nicht). Man ist auch nicht auf eine Gerätschaft festgelegt. In diesem Zusammenhang weise ich auf den Trip Report zum Cubeware Infotag in diesem Newsletter hin.

Mein Fazit:

Bots sind die Benutzerschnittstellen der Zukunft. Sie bieten eine Oberfläche ohne Medienbruch zu den unterschiedlichsten Services. Sie holen die Anwender dort ab, wo sie sich wohl fühlen. Für den Anwender sind keinerlei Vorkenntnisse oder Schulungen notwendig. In Zeiten von Skype, WhatsApp und Messenger kommt jeder Benutzer mit einem gut gemacht Bot zurecht. Siehe dazu auch „Und zum Schluss“ am Ende des Newsletters.

Mein Tipp:

Bauen Sie sich doch selbst einen Bot. Das c’t-magazin hat in der Ausgabe 12/2016 eine Anleitung veröffentlicht: 

http://m.heise.de/ct/ausgabe/2016-12-Chatbot-fuer-Facebook-Messenger-entwickeln-3213551.html